„Der dramaturgische Aufbau von FRAUENSEE war im Exposé nur skizziert. Das Besondere bei dem Filmprojekt ist, dass wir die meisten Szenen beim Drehen improvisiert haben. Wir haben diese Vorgehensweise sehr bewusst gewählt, um trotz der sehr kurzen Drehzeit und dem beschränkten Budget einen Film machen zu können, der in der Lage ist, durch Lebendigkeit, Schönheit und Spontaneität zu verzaubern.

Ein Monat vor Drehbeginn haben wir eine Woche lang vorgeprobt. Dabei entwickelten wir die einzelnen Charaktere, analysierten ihre Entwicklung in der Geschichte und veränderten sie, wenn wir auf plausiblere Lösungen kamen. Für diese Vorarbeit diente ein Exposé als Arbeitspapier. Dann habe ich auf Wunsch der Schauspielerinnen in zwei Wochen ein Drehbuch geschrieben, um ein Anhaltspunkt beim Drehen zu haben. Es war also ein work in progress bis zum tatsächlichen Beginn der Dreharbeiten. Bei aller Authentizität und angepeilter Lebendigkeit bleibt der Film Fiktion, die Schauspielerinnen agieren aus der Position der erarbeiteten, verinnerlichten Figuren heraus, wir üben ein Handwerk aus, das der Schauspielkunst und das des Filmemachens. Es war eine gemeinsame aufregende Reise.

Naheliegend war es, dass wir mit einem kleinen, flexiblen Team arbeiteten. Wir drehten soweit wie möglich chronologisch, die aufeinander aufbauende Entwicklung der Figuren musste ja stimmig sein, für den Schnitt wurde eine Menge Material benötigt. Ein kleines Team war in der Lage, spontan auf die Schauspieler zu reagieren und Stimmungen in der Natur, Gewitter, Sonnenauf- und -untergänge mitzunehmen. Die fast dokumentarischen Aufnahmen, die die Fischerin bei der Ausübung ihres Berufes auf dem See zeigen, drehten wir an vier Tagen kompakt.

Die moderne digitale Kameratechnik war prädestiniert für unsere Arbeitsweise. Im Zusammenspiel all dieser Komponenten war es möglich, ohne großen personellen und technischen Aufwand und ohne großes Budget die unaufdringliche Geschichte in anregenden Kinobildern zu erzählen.“

 

punkte

Zoltan Paul (bürgerlich Zoltan Pál Pajzs Freiherr von Rácalmás), geboren 1953 in Budapest, emigrierte 1965 mit seiner Familie nach Österreich. Von 1970 bis 1973 gehörte er als Gitarrist und Sänger der Rockband „Dust“ an. 1976 besuchte er die Schauspielschule Wien und arbeitete bei dem Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch an dessen berühmt-berüchtigtem „Orgien Mysterien Theater“ mit. Ab 1978 war Paul als Theaterschauspieler (seit 1990 auch als Regisseur) an verschiedenen Bühnen in Österreich und Deutschland tätig. Gelegentlich trat er auch in Fernsehproduktionen wie Lemminge (Michael Haneke), Befristeter Aufenthalt (1987) oder Krimiserien wie Solo für Sudman (1997) auf.

Sein Debüt als Filmregisseur gab Zoltan Paul im Jahr 2003 mit dem psychologischen Drama Gone: Der Film über ein Verleger-Ehepaar, das von einem mysteriösen Autor mit einem Manuskript konfrontiert wird, das bis ins Detail ein verdrängtes Kapitel ihrer eigenen Ehe
nachzuerzählen scheint, wurde unter anderem in den Wettbewerb des argentinischen Filmfestivals Mar del Plata eingeladen. Einen gänzlich anderen Tonfall schlug Pauls zweiter Kinofilm Unter Strom (2009) an, eine überdrehte Komödie, die eine Vielzahl skurriler Charaktere in einem noblen Landhaus aufeinander prallen lässt.